Die Kraft der bunten Pflaster steht demnächst auf dem Lehrplan für die medizinische Abteilung des FC Bayern München. Erklärt wird sie vom Kinesio-Taping-Instructor Dr. Hauke Mommsen, Mannschaftsarzt der SG Flensburg-Handewitt.
Flensburg - Um was beneidet das Königs-Team der Fußballbundesliga, der FC Bayern München, die kleine SG Flensburg-Handewitt am anderen Ende der Republik? Sicher nicht um ihren unvergleichbar niedrigeren Etat oder Gehälter, die in der bayerischen Landeshauptstadt unter der Ruprik „Taschengeld“ verbucht werden. Wohl aber um ihren Kinesio-Taping-Instructor Hauke Mommsen. Diesen Titel teilt der Mannschaftsarzt der SG derzeit nur mit sechs weiteren Medizinern in ganz Deutschland. Verbunden mit der Auszeichnung ist die Lizenz und vor allem die Fähigkeit, Schmerzen und Beschwerden mit bunten Pflastern einfach weg zu kleben und dieses Wissen auch weiter zu geben.
Beim Spitzenspiel der Flensburger am Dienstag Abend gegen Lemgo legte Mommsen beispielsweise Marcin Lijewski und Michael Knudsen die bunten Streifen im überlasteten Kniebereich an. Für die Zuschauer nicht sichtbar, zeigte auch Spielmacher Glenn Solberg dank Pflaster an der Schulter nicht nur eine meisterliche, sondern auch eine fast schmerzfreie Leistung. Diesen Service will künftig auch die medizinische Abteilung des FC Bayern München ihren Spielern bieten - und meldete sich als „Praktikanten“ beim Flensburger Mannschaftsarzt an. „Ich fahre deshalb demnächst für einige Tage nach München“, sagt Hauke Mommsen.
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Starkes Pflaster: SG-Spieler Michael Knudsen mit getaptem Knie. Foto: living sports-
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Und der gefragte Operateur der orthopädischen Klinik Damp freut sich bereits auf ein weiteres Gemeinschaftsprojekt mit einer medizinischen Ikone der Ballsportart Nummer eins in Deutschland. Pünktlich zur Fußball-WM nächstes Jahr in Deutschland wird der SG-Doc zusammen mit Klaus Eder, dem Chef-Physiotherapeuten von Jürgen Klinsmanns Nationalelf, ein Buch über Kinesio-Taping herausgeben.
Was macht die Wirkung der bunten Pflaster und der mit ihnen verbundenen fernöstlichen Lehre aus? „Die Baumwoll-Streifen sind so schwer und so durchlässig wie Haut. Eine gezielte Platzierung der Pflaster kann über die Haut als größtes Organ des Menschen innere Beschwerden lindern oder gar beheben“, erläutert Hauke Mommsen. Und dies ohne Wirkstoff (und Nebenwirkung), sondern lediglich durch die Verbesserung der Mikro-Blutzirkulation und des Lymphabflusses.
Unterstützt wird die Wirkung noch durch die Wahl der Farbe. Rot wirke eher aktivierend und dadurch Schmerz lindernd, blau dagegen eher abschwächend, gefragt zum Beispiel zur Linderung einer bei Spitzensportlern häufig auftretenden Achillessehnen-Entzündung. „Die Wirkung tritt aber nur ein, wenn eine Funktion ausgeführt wird, also man in Bewegung ist“, sagt der 36-jährige Mediziner.
Im Leistungssport wird die Therapie-Palette schon seit einigen Jahren um das Kinesio-Taping erweitert. Relativ neu ist dagegen das Bekleben von „normalen“ Patienten. „Zur Vorbeugung und Behandlung von körperlichen Überlastungs-Symptomen ergeben sich durch das Medical Taping ganz neue Möglichkeiten“, betont Hauke Mommsen. Ein Allheil-Mittel seien die bunten Pflaster aber nicht. Ihre Wirkung sei zudem von Typ zu Typ unterschiedlich - auch bei den SG-Spielern. Joachim Boldsen sei zum Beispiel eher ein „Geht-schon-Typ“, Søren Stryger habe seine Wadenzerrung dagegen kürzlich mit Hilfe der Pflaster ziemlich schnell auskuriert. Ein gutes Beispiel für den Behandlungserfolg durch Kinesio-Taping ist aber Hauke Mommsen selbst: „Meinen Spannungs-Kopfschmerz habe ich mir schon komplett weg geklebt“, sagt er. ANJA WERNER
Kinesio-Taping Entwickelt wurde die neue Technik vor 30 Jahren vom japanische Kinesiologe Dr. Kenzo Kase. Im Gegensatz zum herkömmlichen Taping werden die betroffenen Körperteile nicht fixiert, sondern durch sensorische Informationen bei voller Bewegungsfreiheit die Selbstheilungskräfte zu mobilisieren.
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Hauke Mommsen
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